Was frisst die Fledermaus?
Die ursprünglichen Fledermäuse waren ausschließlich Insektenfresser. Insbesondere in den Tropen konnten sie aber im Laufe der Zeit in fast alle Nahrungsnischen vordringen. So gibt es dort heute Früchtefresser, Nektartrinker und Fleischfresser. Drei Arten im tropischen Amerika, die sogenannten Vampirfledermäuse, sind sogar dazu übergegangen Blut zu trinken. Allerdings trinkt nur eine Art, der Gemeine Vampir, an Säugetieren wie Weidevieh. Die anderen beiden sind auf Vögel spezialisiert.

Früchte einer Fledermauspflanze (Solanum)
Früchtefresser existieren nur in den Tropen und Subtropen. In Afrika und Asien haben ausschließlich die Flughunde Früchte auf ihrem Speiseplan. In den Neotropen gibt es keine Flughunde, so dass hier Fledermäuse deren Stelle einnahmen. Da die Samen von Früchten mit geschluckt und dann während des Fluges wieder ausgeschieden werden, sind diese Arten wichtig für die Verbreitung vieler Baum- und Pflanzenarten.
Auch nektartrinkenden Fledermäuse und Flughunde sind wichtige Glieder des tropischen Ökosystems. Sie bestäuben beim Trinken ihre Nahrungspflanzen. Viele Pflanzen sind speziell an Fledertiere als Bestäuber angepaßt.
Fledermausblütige Markea
Häufig sind ihre Blüten weißlich und und haben einen charakteristischen Geruch. Sie sind meist glockenförmig und hängen an langen Stielen von der Pflanze, damit die Fledermaus sie leicht erreichen kann. Die Blumenfledermäuse haben eine lange Schnauze und eine noch längere Zunge. Haare an der Zungenspitze
erleichtern das Auslecken des Nektars.
Nur wenige Arten fressen auch Wirbeltiere. Meist sind es Reptilien und Amphibien, aber auch kleine Vögel und Säugetiere. Der Falsche Vampir Vampyrum spectrum aus Südamerika macht auch vor anderen Fledermausarten nicht halt. Die ebenfalls südamerikanische Art Trachops cirrhosus jagt Frösche, indem sie sich an deren Rufen orientiert. So kann sie sogar giftige von essbaren Froscharten unterscheiden.
Auch von einer südeuropäischen Art, dem Riesenabendsegler Nyctalus lasiopterus, ist kürzlich nachgewiesen worden, dass sie während der Vogelzugzeit neben Insekten auch Vögel erbeutet.
In Südamerika und in Asien gibt es weiterhin Arten, die Fische erbeuten. Die Wellen, die die
Fische verursachen, dienen den Fledermäusen zur Orientierung. Mit
großen krallenbewährten Füßen durchkämmen die Tiere dort das Wasser und ziehen die Beute heraus.
Die mitteleuropäischen Fledermäuse sind wie ihre ursprünglichen Vorfahren reine Insektenfresser (insectivor). Ihre Beute setzt sich aus den unterschiedlichsten Insekten, Spinnen und Tausendfüßlern zusammen. Sie werden mittels Echoortung oder durch passives Lauschen gefunden.
Die Beute einer Fledermaus hängt stark von ihrer eigenen Größe ab. Je kleiner die Fledermaus, desto kleiner ist auch die Beute. Die kleineren Arten fressen daher vermehrt kleine Fluginsekten wie Mücken und kleine Falter. Größere Arten, wie zum Beispiel das Große Mausohr, können auch große Insekten fangen. So gehören Käfer, Heupferde (Heuschrecke) und große Falter zur Beute der großen einheimischen Fledermausarten.
Die Insekten werden nicht nur in der Luft gefangen, d.h. das Nahrungsangebot beschränkt sich nicht nur auf fliegende Insekten. Viele Arten sind in der Lage, Insekten entweder vom Boden aufzunehmen oder von Pflanzen abzusammeln. Die Biologen sprechen dann von sogenannten "Gleanern".
Zum Auffinden der Beute nutzen die Fledermäuse im Regelfall ihr Ultraschall- Echoortungssystem.