Wo wohnt eine Fledermaus?
Fledermäuse benötigen einen Platz um den Tag zu verbringen. Im Süden bewohnen viele Arten Höhlen. Dort können sie in Ansammlungen von mehreren Millionen Tieren vorkommen. Es ist ein eindrucksvolles
Schauspiel, wenn z.B. die Brasilianische Freischwanzfledermaus (Tadarida brasilinesis) in der
Dämmerung aus der Karlsbadhöhle in Nordamerika in dichten Wolken zur
Jagd ausfliegt. In nördlicheren Breiten sind die Höhlen jedoch zu kalt
als Tagesquartier. Sie werden von vielen Arten nur als Winterquartier
genutzt. Hier verschlafen die Tiere die insektenarme Jahreszeit.
Als Ersatz für natürliche Höhlen- oder Felsspaltenquartiere nutzen viele Arten inzwischen auch menschliche Bauten. Viele Arten konnten
dadurch auch in kältere Gebiete einwandern. So ist z.B. das Große
Mausohr Myotis myotis in
Deutschland ein Bewohner großer warmer Dachstühle, während es in
Südeuropa in Höhlen gefunden wird.
Andere Arten übertagen natürlicherweise an und in Bäumen. Häufig nutzen die Tiere Baumhöhlen wie z.B. ausgefaulte Spechthöhlen. Einige tropische Arten, wie die Sackflügelfledermaus Saccopteryx bilineata, sitzen aber auch frei an Baumstämmen.
Sackflügelfledermäuse beziehen ihr Quartier an Baumstämmen von Urwaldriesen in Südamerika (Foto: S. Meister)
Flughunde übertagen in Bäumen hängend
Andere Arten hängen sich kopfüber in die Vegetation. Die bekanntesten Beispiele dafür sind viele Flughundarten der Alten Welt, die man in großen Kolonien tagsüber in ihren Schlafbäumen hängen sehen kann. Bilder wie das rechts abgebildete findet man in Afrika, in Asien und an der australischen Nordostküste. Meist hört man die Tiere, gerade Abends vor dem Jagdflug.
In den Neotropen gibt es auch Fledermausarten, die sich aus großen Blättern selbst ihre Quartier schaffen - die sogenannten Blattzelte. Hierzu zerbeissen sie Blattrippen, so dass die Seiten des Blattes zeltartig herunterhängen. Ein Beispiel für eines dieser zahlreichen Zelte ist unten abgebildet. Meist findet man nur leere, nicht mehr genutzte Zelte, da die Tiere diese häufig wechseln.
Eine kleine Gruppe der zeltbauenden Fledermaus Uroderma bilobatum hat es sich unter einem Palmwedel gemütlich gemacht
Die mitteleuropäischen Arten nutzen im Jahresverlauf unterschiedliche Quartiere. Den Winter verschlafen die Tiere zumeist in speziellen Quartieren, sodaß man zwischen Sommer- und Winterquartier unterscheidet. Zur Geburt und Aufzucht der Jungen beziehen die Weibchen in Gruppen von bis zu mehreren tausend Tieren eine sogenannte Wochenstube, eine besondere Form von Sommerquartier. Männchen dagegen verbringen diese Zeit meist alleine oder in kleinen Gruppen. Im Herbst finden sich dann bei manchen Arten Balzquartiere.
Sommerquartiere
Wie Sie vielleicht wissen, sind Fledermäuse dann aktiv, wenn wir
bereits schlafen, d.h. Nachts. Tagsüber dagegen ruhen sie sich in ihrem
Quartier aus. Dieses unterscheidet sich von Fledermausart zu
Fledermausart. So gibt es Arten, wie zum Beispiel die Wasserfledermaus
oder den Großen Abendsegler, die den Tag in Baumhöhlen (z.B. von
Spechten hinterlassen) verbringen. Andere Arten suchen dagegen Dachböden
von Kirchen auf, wie es das Große Mausohr gerne tut. Wieder andere, vor
allem die kleineren Arten wie Zwergfledermäuse suchen sich Spalten
an Häusern, können dann sogar an modernen Hochhäusern vorkommen. Mehr zu Sommerquartieren.
Winterquartiere
Kommt der Herbst, dann wird es für die Fledermäuse Zeit ihre
Winterquartiere aufzusuchen, in denen sie dann die kalte Jahreszeit
verbringen. Diese sind meist Höhlen oder Keller. Manche Arten
überwintern auch in Baumhöhlen. Besonders auffällig verhält sich die Zwergfledermaus.
Im August und September kommt es regelmäßig zu invasionsartigen Einflügen
in Wohnungen. Die kleinen Tiere wollen dabei nichts Böses, sie
suchen nur ein optimales Winterquartier. Mehr zu Winterquartieren.
Aktuell: Aus aktuellem Anlaß möchten wir darauf hinweisen, dass Winterquartiere in Höhlen und Kellern (im Rahmen der FFH (Flora-Fauna-Habitate) von der EU eingerichtet), im Winter zum Schutz der Fledermäuse bitte nicht betreten werden sollen.
Wochenstuben und Balzquartiere
Männchen und Weibchen der Fledermäuse haben sich bereits im
Herbst oder Winter (!) gepaart, wenn sie dann im Frühjahr aus dem
Winterschlaf aufwachen, suchen die Weibchen ein getrenntes Quartier
von den Männchen auf. Dort hängen sie zusammen mit anderen Weibchen
und gebären ihre Jungen. Der Vorteil dieses Verhaltens ist, dass
die Männchen den Weibchen nicht Insekten wegfressen, die die Weibchen
benötigen während sie schwanger sind und säugen. Außerdem haben die
Weibchen durch die Gruppenbildung einen größeren Schutz vor
Feinden und eine bessere Energieausnutzung, da sie beim Hängen
in Clustern weniger Energie an die Umgebung verlieren. Bei
einer südeuropäischen Art, dem Riesenabendsegler, ziehen die Männchen mehrere hundert
Kilometer von den Weibchen weg. Mehr zu diesen Quartieren.